Geschichte

M291

Johann Jakob Ignaz Verflassen „Porträt Pastor Lang“, 1826

Das Mittelrhein-Museum in Koblenz ist eine der ältesten öffentlichen Sammlungen in Deutschland, die ganz aus bürgerlichem Engagement entstanden sind. Am Anfang stand das Vermächtnis des Koblenzer Pastors Joseph Gregor Lang (1755-1834), der über Jahrzehnte in der Stadt gewirkt hatte.
Neben seinen Verpflichtungen als Seelsorger arbeitete er auch als Lehrer und wurde bald in die staatlichen Gremien zur Reform des Schulunterrichts einbezogen. Jenseits seiner öffentlichen Verpflichtungen erwarb er sich eine universale Bildung und betätigte sich erfolgreich als Schriftsteller. Der sichtbare Ausdruck seiner weitreichenden Interessen war der Eifer, mit dem er seine Bibliothek und Gemäldesammlung zusammentrug. Joseph Gregor Lang gehörte zu einer Priestergeneration, die einen von der Aufklärung inspirierten Katholizismus vertrat.
Als Joseph Gregor Lang am 30. Juni 1834 starb, hinterließ er der Stadt Koblenz seine Sammlungen, darunter 197 Gemälde, 70 Graphiken, 1070 Bücher sowie Münzen, Silber und Porzellan. Bedingung war, dass die Sammlung öffentlich zugänglich gemacht werden sollte. Nachdem der Stadtrat das Vermächtnis angenommen hatte, öffnete das neue Museum im Jahr 1835 seine Pforten.

Mit der Betreuung der Sammlung wurde der Koblenzer Maler Johann Baptist Bachta (1782-1856) beauftragt. Sein Nachfolger war der Maler Daniel Dienz (1813-1888) und nach ihm Gottlieb Theophil Gassen (1805-1878), der 1874 den ersten Katalog der „Städtischen Lang’schen Gemäldesammlung“ erstellte und veröffentlichte.

Die am 20. März 1900 testamentarisch festgelegte und am 12. September 1902 ergänzte Stiftung der Maria Magdalena Henriette Thekla von Düsseldorf (1824-1916) mit einem Umfang von 277 Gemälden, Druckgraphik und Photographien übernahm die Stadt Koblenz 1916.

Für diese erweiterte Städtische Lang’sche Sammlung wurde 1920 Adam Günther als Direktor bestimmt. Ihm verdankt das Museum seine zahlreichen Funde aus vor- und frühgeschichtlicher Zeit. Unter Mithilfe des Koblenzer Arztes Dr. Dr. h.c. Fritz Michel erwarb er zudem eine große Zahl von Skulpturen aus Koblenz und dem Mittelrhein-Gebiet. Im zweiten Weltkrieg wurde mit der Zerstörung des Schlosses ein großer Teil der Bestände vernichtet und weitere Objekte gingen im Zuge der Auslagerung auf die Festung Ehrenbreitstein verloren.

Als Museum war diese Sammlung einem ständigen räumlichen Wechsel unterlegen:

Erste Städtische Lang’sche Gemäldesammlung:

1835 Schulhaus neben dem Bürgerhospital in der Kastorstraße

1846 Saal des Civil-Kasinos

1868 „Alte Burg“ in der Burgstraße

1870 Erdgeschoß des „Alten Kaufhauses“ am Florinsmarkt

1872 vorderer Saal des Stadttheaters

1900 „Alte Burg“

M850

Friedrich Joseph Adolf Nebel „Bildnis Thekla von Düsseldorf“ 1869

Zweite erweiterte Sammlung (Pastor Lang und Thekla von Düsseldorf):

1920 Kurfürstliches Schloß

1939 Festung Ehrenbreitstein

1965 (5. September) Mittelrhein-Museum Koblenz im „Alten Kaufhaus“ am Florinsmarkt

2013 Forum Confluentes

Das Mittelrhein-Museum vereint über 2.000 Jahre Kunst- und Kulturgeschichte. Der Gesamtbestand setzt sich zusammen aus ca. 1.200 Gemälden, über 8.000 Grafiken(darunter zahlreiche Handzeichnungen und Aquarelle), ca. 250 künstlerischen Fotografien, 230 Skulpturen und ca. 1.000 grafischen Objekten zum Thema „Reisen“ und „Mittelrhein“. Hinzu kommen ca. 700 Objekte aus Stein, Holz und Metall, über 500 historische Münzen und Medaillen sowie 345 Keramiken. Weiterhin ist auf den ausnehmend umfangreichen Bestand kulturhistorischer und volkskundlicher Objekte zu verweisen, der unterschiedlichste Materialgruppen umfasst: Glasmalerei, Porzellan, Möbel, Kleinkunst, Textilien, Maße und Gewichte, Militaria, Eisenguss, Leuchter und Lampen, Gusseiserne Öfen, Blechwaren, Messing- und Zinnobjekte, Metallikonen sowie Uhren.

Der Schwerpunkt der großzügig dimensionierten, rund 1700 m2 umfassenden Dauerausstellung liegt im neuen Mittelrhein-Museum auf der Gemäldesammlung sowie den skulpturalen und kunstgewerblichen Beständen. In chronologischer Abfolge spannt sich der Bogen der Epochensäle von der mittelalterlichen Skulptur über die Malerei des Mittelalters, des Barock, des Klassizismus und der Romantik über die Vertreter der Düsseldorfer Schule bis hin zur Klassischen Moderne und Positionen zeitgenössischer Kunst, wobei insbesondere die Werkkomplexe von K. O. Götz, Rissa und Heijo Hangen hervorzuheben sind. Parallel zu diesen Kunstsälen haben die Besucher die Gelegenheit, sich auf dem inneren Parcours über regionale kunst- und kulturhistorische Aspekte zu informieren. 400 Gemälde, 50 Skulpturen, 60 Graphiken und diverse kunstgewerbliche Objekte warten auf die Besucher.