Mut zur Freiheit: Informel aus der Sammlung Anna und Dieter Grässlin

Laufzeit:        23.06. – 01.10.2017

Eröffnung:    Donnerstag, 22.06.2017, 19:30 Uhr

 

Mut zur Freiheit

Informel aus der Sammlung Anna und Dieter Grässlin

 

„Die Situation war schwierig (…). Aber die große Freiheit,

die man nach dem Ende des Krieges wiedergewonnen hatte, wog alles auf.

Emil Schumacher

 

Krustige Oberflächen, verlaufende Farbspuren, Chaos und Struktur. In der Kunst des Informel, der Avantgarde der 1950er Jahre, war die Zerstörung des Krieges noch präsent. Nach Jahren der nationalsozialistischen Mal- und Denkverbote begann insbesondere für die deutschen Künstler eine Phase des Neuanfangs. Sie schöpften aus den Errungenschaften der klassischen Moderne, vernetzten sich in Künstlergruppen und erschlossen sich die zeitgenössische Szene in Paris und den USA.

 

„Art informel“ steht für eine auf freier gestischer Abstraktion beruhende Kunst. K. O. Götz, ein Hauptvertreter dieser künstlerischen Haltung, erläuterte dazu: „Wir wollten klassische Formelemente auflösen, das war bei mir die Schnelligkeit und die Ausschaltung des allzu bewussten Vorgangs.“ Mit Traumgestalten, Action-Painting, Material-Experimenten oder rätselhaften Zeichenbildern reagierten die informellen Künstler jeweils ganz individuell auf ihre Umwelt. K.R.H. Sonderborg, brachte dieses künstlerische Selbstverständnis auf den Punkt: „Denn man malt, um sich zu wehren, um auf die Dinge zu antworten.“

 

Das Mittelrhein-Museum zeigt erstmals die bedeutende Sammlung des Unternehmerehepaars Anna und Dieter Grässlin aus St. Georgen. Die Sammlung erschließt mit hochkarätigen Werken das breite Spektrum der informellen Ausdrucksformen: Malerei, dreidimensionale Objekte sowie Druckgrafik und Zeichnung. Mit über hundert Exponaten von zwölf Künstlern aus den Jahren 1946 bis 1974 veranschaulicht die Ausstellung somit die Vielgestaltigkeit des Informel. Ausgehend von Bildern Jean Fautriers und Wols, die als Wegbereiter dieser künstlerischen Haltung in die Kunstgeschichte eingingen, präsentiert der Rundgang Werke von Peter Brüning, Carl Buchheister, K.F. Dahmen, K.O. Götz, Gerhard Hoehme, Erich Hauser, Emil Schumacher, Bernard Schultze, K.R.H. Sonderborg und Fred Thieler.

Zur Ausstellung lädt ein vielseitiges Rahmenprogramm zu weiteren Entdeckungen ein.

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